Fehler – Selbstkontrolle statt Bewertung

„Das Kind muss eine Anzahl von Denkstadien durchlaufen, deren Abwegigkeit es später einsieht, die aber offenbar nötig sind, um schließlich die richtigen Lösungen zu finden.“
Piaget 1896-1980, Biologe und Pionier der kognitiven Etwicklungspsychologie

Fehlerselbstkontrolle, die indirekte Korrektur

Montessori ermöglichte ihren Kindern Fehler zu machen, ohne dass sie zwangsläufig von einem Erwachsenen korrigiert oder sogar bewertet wurden.
Sie fügte bei den Materialien, die sie konzipierte, eine sogenannte „Fehlerselbstkontrolle“ ein. Das Kind bekommt mit dieser Fehlerkontrolle die Möglichkeit, den Fehler selbst, mittels Auge und Hand, festzustellen.

Die Lernmaterialien gehören zu Montessoris  „Gestaltung der vorbereiteten Umgebung“. Wie diese aussieht, habe ich unter folgendem Artikel beschrieben:
Die vorbereitete Umgebung – ein bedürfnisgerechter Entwicklungsraum >>Hier klicken

Als Beispiel hierfür habe ich hier ein Video vorbereitet, indem ich die „Braune Treppe“ aus den Sinnesmaterialien Montessoris mit ihrer Fehlerselbstkontrolle vorstelle.

Die Ordnung der „Braunen Treppe“ ist, anhand der gleichmäßige Abstufung, sehr gut visuell und taktil erkennbar.
Zudem kann man, mithilfe des dünnsten Prismas der „Braunen Treppe“, die gleichmäßige Veränderung nachprüfen. Dieses dient somit auch nochmal zur Kontrolle der Ordnung.

Welche pädagogische Konsequenz folgt daraus?

Die „Fehlerselbstkontrolle“ ist ein wichtiges didaktisches Kernprinzip in der Montessori-Pädagogik. Macht das Kind bei der Ausführung einer Aufgabe einen Fehler, so soll der Pädagoge dieses nicht korrigieren sondern beobachten.
Dem Kind muss die Möglichkeit gegeben werden, den Fehler selbst zu erkennen und diesen selbst zu korrigieren. Das Kind wird dies je nachdem nicht direkt tun, das ist aber in diesem Moment auch nicht wichtig!

Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!
Pippi Langstrumpf
Bildquelle Wikimedia

Beobachtet der Pädagoge, dass das Kind den Fehler nicht selbst erkennt, sollte er diesen zunächst bei sich selbst suchen:

  • Ist die Aufgabe oder das Material entsprechend den Bedürfnissen des Kindes?
  • Benötigt das Kind evtl. eine kleinschrittige Vorübung?
  • Hat das Kind die Möglichkeit sich selbst zu überprüfen, ist eine Möglichkeit zur Selbstkontrolle vorhanden?
  • Wie ist die Umgebungssituation, hat das Kind die Möglichkeit sich in Ruhe auf die Aufgabe zu konzentrieren?

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, wird das Kind sich dieser Aufgabe und Herausforderung erneut stellen.
Dies kann direkt, später am Tag oder auch erst Wochen danach erfolgen. Wichtig ist, dass es sich dieser Herausforderung von sich aus noch mal stellt.

„Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.“
Henry Ford 1863-1947, Automobilhersteller

Selbst Lösungen entdecken

Fehler sind sinnvoll und wichtig, sie sind Ausdruck des Entwicklungsstandes des Kindes.
Nur wer Fehler macht, kann aus diesen lernen und sich weiterentwickeln.

Bekommt das Kind die Möglichkeit, seine Fehler selbst zu erkennen und zu korrigieren, lernt es einen positiven Umgang mit Fehlern.
Es wird nicht gehemmt oder frustriert, indem es auf den Fehler hingewiesen, der Fehler negativ in den Mittelpunkt gestellt und somit die ganze Arbeitsleistung kritisiert wird.

Kinder, die einen positiven Umgang mit Fehlern gelernt haben, suchen und stellen sich von sich aus gerne neuen Herausforderungen.
Sie gewinnen dabei an Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, Souveränität und Problemlösungsfähigkeit.

Meine Buchempfehlung:

Im „Handlexikon Montessori-Pädagogik“ setzt sich Barbara Stein intensiver mit dem Thema Fehler und Fehlerkontrolle auseinander.

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