Infantiles Schluckmuster - Wenn Kinder zu lange aus der Babyflasche trinken

Was ist das Infantile Schluckmuster?

Beim Infantilen Schluckmuster handelt es sich um den frühkindlichen Schluckreflex. Dieser ist für den zahnlosen Säugling physiologisch, d.h. ganz normal. Deshalb nennt man es auch infantiles Schlucken.

Wie sieht das Infantile Schluckmuster aus?

Beim Säugling ist die Mundhöhle kleiner und wird fast vollständig von der Zunge ausgefüllt. Dadurch kann sich die Zunge im Mund zunächst nur vor- und zurückbewegen.

Unterstützt wird diese Bewegung durch das Öffnen und Schließen des Kiefers. Säuglinge schlucken, indem sie die Zunge beim Schlucken vor- und zurückschieben. Die Lippen sind dabei geöffnet. Der Säugling nuckelt sozusagen an der Babyflasche oder an der Brust.

Dieses Nuckeln praktizieren Kinder ebenfalls, wenn sie am Schnuller oder am Daumen lutschen. Denn während des Nuckelns schlucken sie so ihre Spucke hinunter.

Wann verändert sich das Infantile Schluckmuster?

Normalerweise wird dieses Schluckmuster mit dem Abstillen von der Brust, mit dem Anbieten eines Bechers zum Trinken und der Gabe von fester Nahrung Stück für Stück umgestellt.

Die Zunge schiebt sich beim Schlucken nicht mehr nach vorne, sondern drückt nun oben gegen den Gaumen. Die Lippen bleiben dann beim Schlucken geschlossen.

Durch die Aufnahme fester Nahrung, wird das korrekte Schluckmuster weiter gefestigt und die Muskulatur von Zunge, Lippen, Wangen und Rachen wird gestärkt.

Was passiert, wenn Kinder zu lange aus der Babyflasche trinken?

Wenn ältere Kinder sehr lange und fast ausschließlich an der Brust saugen oder aus der Babyflasche trinken, gewöhnen sie sich an, die Zunge beim Trinken wie ein Säugling nach vorn zu drücken.
 
Man bezeichnet dieses Schluckverhalten auch als „Zungenpressen“, bei der die Zunge gegen die Schneidezähne gedrückt wird.

Das Schluckmuster verfestigt sich immer mehr.

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Welche Folgen können daraus resultieren?

Wenn Kinder zu lange das Infantile Schluckmuster beim Trinken oder Nuckeln am Schnuller praktizieren, führt dies oft zu Zahnfehlstellungen und Verformungen des Kiefers. 

Die reduzierte Mundmotorik führt dazu, dass die Kinder Sprechschwierigkeiten entwickeln.

Häufig kommt bei diesen Kindern Sigmatismus (Lispeln) vor.  Beim Lispeln wird die Zunge beim Sprechen, genau wie beim Schlucken, gegen die Schneidezähne gedrückt oder zwischen ihnen hindurch geschoben.

Folgen im mundmotorischen Bereich

  • Unterentwicklung der Lippenmuskulatur
  • zu kurze Oberlippe
  • vorkippende obere Schneidezähne
  • Absinken der Zunge vom Gaumendach auf den Mundboden

Was können Eltern tun?

Um den ersten Geburtstag des Kindes herum sollten Eltern damit beginnen, ihrem Kind einen Becher zum Trinken anzubieten.

Desweiteren sollten sie auch in dieser Zeit das Kind vom Schnuller (zumindest tagsüber) entwöhnen.
Zum Thema "Schnuller" habe ich unter folgendem Link einen weiteren interessanten Artikel geschrieben: 

Dann ist Zeit, dass das Kind das korrekte Schluckmuster erlernt und die Zunge sollte bei geschlossenem Mund in der sogenannten "Zungenruhelage" ruhen.

Hat sich das Infantile Schluckmuster bei älteren Kindern verfestigt wird es schwierig. Dann müssen Sprechübungen durchgeführt und die Mund- und Zungenmuskulatur trainiert werden.