Wenn die Angst vor Fehlern die Sprachentwicklung hemmt

Wie beeinflusst die Angst vor Fehlern die Sprachentwicklung?

Kinder, die Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung haben, entwickeln Hemmungen beim Sprechenlernen. Fehler bei der Wortfindung, in der Grammatik und in der Aussprache fallen immer mehr auf. Diese Fehler werden ihnen zunehmend bewusst bzw. von Außen bewusst gemacht.

Dies führt letztendlich dazu, dass sie immer unsicherer werden und Angstgefühle entwickeln.

Die Schwierigkeiten, die das sprachentwicklungsverzögerte/sprachentwicklungssgestörte Kind sowieso schon hat, werden durch die Angst vor Fehlern zusätzlich verstärkt.

Ab wann ein Kind als sprachverzögert eingestuft wird, habe ich in folgendem Artikel näher erläutert:
Late Talker – Hilfe, mein Kind spricht nicht

Wie gehen wir in unserer Gesellschaft mit “Fehlern” allgemein um?

“Einer der größten Ängste ist die Angst vor dem Falschmachen, vor den Fehlern und ihren Folgen! Dabei vollzieht sich in der Geschichte der Menschheit das Zustandekommen von Erkenntnissen, Einsichten und Entdeckungen weitgehend durch das Erarbeiten, durch das Merken, dass etwas nicht stimmt und durch das Ausprobieren, wie es weniger falsch und schließlich brauchbar werden kann. Erst wenn man gezwungen wird, sich zu fragen, warum da etwas nicht funktioniert, kann bewusst werden, was das störungsfreie Funktionieren sicherstellt und unter welchen Umständen es gesichert ist.”
Heinrich Jacoby 1889-1964, Musiker und Begabungsforscher

Tests, Noten und Prüfungen gehören zu unserem Bildungs- und Arbeitswesen.
Geprüft und benotet zu werden, ist für uns von Klein auf selbstverständlich und wird allgemein als negativ verinnerlicht.

Die Bewertung einer Leistung vermittelt dem Kind ein Gefühl von Abhängigkeit und Schwäche.
Ängste zu versagen, vor unagenehmer Kritik, schlechten Klassenarbeiten und Prüfungen sind die Folgen.

Fehler zu machen und daraus resultierend schlecht bewertet zu werden, hemmt die kindliche Experimentierfreude und Kreativität und seine natürliche Unbekümmertheit im Umgang mit Fehlern.

Dem Kind fällt es zunehmend schwer, sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Oft benötigt es dann intensive Begleitung und Motivation, um an Sicherheit zu gewinnen.

Die Bewertung führt ebenso zu einem Konkurrenzdenken, welches das Kind zu einem Einzelkämpfer werden lässt.

Das Kind fürchtet negative Reaktionen und will keine Schwäche zeigen.
Aus diesem Grund nimmt es dann oft in der entscheidenden Situation keine Hilfe von anderen oder auch von Hilfsmitteln in Anspruch.

Dies zieht sich dann meist auch weiter bis ins Berufsleben, was natürlich im deutlichen Widerspruch zu den Anforderungen an die Kooperationsfähigkeit in der heutigen und zukünftigen Wirtschaft steht.

Wie setzt man diese Erkenntnis auf den Erwerb der Sprache um?

“Das Kind muss eine Anzahl von Denkstadien durchlaufen, deren Abwegigkeit es später einsieht, die aber offenbar nötig sind, um schließlich die richtigen Lösungen zu finden.”
Piaget 1896-1980, Biologe und Pionier der kognitiven Etwicklungspsychologie

Fehler sind sinnvoll und wichtig, sie sind Ausdruck des Entwicklungsstandes des Kindes.
Nur wer Fehler macht, lernt aus diesen und entwickelt sich weiter.

Ein negativer Umgang Fehlern hemmt die Sprachentwicklung zusätzlich.
Das Kind sollte nicht gehemmt oder frustriert werden, indem es einen negativen Umgang mit Fehlern lernt.

Dies ist für Eltern aber meist nicht leicht. Sie sind oft unsicher und wissen nicht, wie sie mit Fehlern, die ihr Kind beim Sprechenlernen macht, angemessen und sinnvoll umgehen können.

Eltern bekommen häufig gut gemeinte Ratschläge, meist von “selbsternannten Experten”, die oft noch kontraproduktiv sind.

Wie lernt mein Kind sprechen ohne gehemmt zu werden?

Bildquelle: Wikimedia

“Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!”                                                           Pippi Langstrumpf                                                                                                                                                                                 Bildquelle: Wikimedia

Gerade bei Kindern, die Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung haben, ist ein positiver Umgang mit Fehlern wichtig.

Kinder, die einen positiven Umgang mit Fehlern gelernt haben, suchen und stellen sich von sich aus gerne neuen Herausforderungen.
Sie gewinnen dabei an Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, Souveränität und Problemlösungsfähigkeit.

Ein positiver Umgang mit Fehlern im Spracherwerb ist absolut wichtig! Der positive Umgang führt dazu, dass die Kinder Sprechfreude entwickeln.mama-kind-mama-arm

Lernt ein Kind mit Freude und Interesse das Sprechen, wird es sich gerne darin üben und sehr schnell Fortschritte machen!